Massai


Massai gehören zu den Nomaden, und sind schon rein optisch "die Exoten" unter den Kenianern. Sie genießen die besondere Beliebtheit in Mitteleuropa. Massai oder auch Maasai, d.h. die Menschen , die die Sprache Maa sprechen. Von den Engländern als wasserscheue Barbaren verschrieen wurden sie von den Deutschen später zu edlen Wilden hochstilisiert. Sie sind groß, schlank, tollkühn und todesmutig. Es wurde sogar schon behauptet sie seien die Nachkommen römischer Legionäre, wohl wegen ihres zuweilen klassischen Profils und der Art, ihr Umhängetuch wie eine Toga zu tragen.
Fest steht, daß die Massai ab Mitte dieses Jahrtausends von Norden - möglicherweise von Äthiopien - gekommen sind, und im vorigen Jahrhundert weite Teile Ostafrikas beherrschten. Dann aber wurden sie durch Seuchen und interne Kämpfe nachhaltig geschwächt. Den letzten Schlag versetzten ihnen die Briten, die sie von ihren fruchtbaren Weiden im Hochland in die Trockengebiete des Südens vertrieben. Heute leben noch etwa 220.000 Massai in Kenia. Sie haben bislang der modernen Gesellschaft widersagt, versuchen aber nun, zumindest wirtschaftlich den Anschluß zu finden.
Bisher lebten sie ausschließlich vom Vieh. Die Zahl der Rinder , nicht etwa ihre Qualität, bestimmte das Ansehen eines Mannes und seiner Familie. Deshalb waren die Rinder zum Essen zu schade, und nur bei zeremoniellen Anlässen wurde ein Rind geschlachtet. Den Fleischbedarf deckten Ziegen und Schafe. Für den Transport wurden Esel gehalten. Erst seit kurzem werden Maismehl und Tee als Nahrungsmittel neben Fleisch, Milch und Blut akzeptiert.
Immer mehr Massai sehen ein, daß weder sie noch das Land sich die nutzlosen Herden minderwertiger Rinder leisten können. Sie verbessern ihre Herden, treiben Viehzucht wie die Rancher und haben keine Skrupel mehr, den Wert einer Kuh unsentimental in Schillingen auszudrücken. Ohnehin haben die meisten Massai inzwischen feste Wohnsitze, oft noch die traditionelle Manyatta aus Lehm und Kuhdung, immer häufiger aber ein viereckiges Haus aus Holz oder Wellblech. Nur noch in Dürrezeiten ziehen sie mit ihrem Vieh weit weg. So bekommen auch immer mehr Kinder Gelegenheit, zur Schule zu gehen. Dort lernen sie nicht nur lesen und schreiben, dort begegnen sie vor allem neuen Wertvorstellungen und Schönheitsidealen. Der moderne Massai trägt Jeans und Walkman.


Seit einige Clans damit begonnen haben , ihre Söhne nicht mehr als Krieger leben zu lassen, ist die traditionelle Struktur des Stammes ernsthaft gefährdet. Denn bis heute war das Leben eines jeden Massai streng gegliedert in die Altersstufen:
Kinder, Krieger, Ältester mit jeweils mehreren Untergruppen. Jede Stufe brachte ihm ein höheres Maß an Würde ein.
Als Kind muß er zwar schon Hirtenpflichten übernehmen, hat aber ansonsten größtmögliche Freiheiten.
Nach langjähriger Vorbereitung und zeremonieller Beschneidung wird er zwischen dem 14 und 18 Lebensjahr zum Krieger. Sie leben getrennt vom übrigen Stamm jedoch mit den Mädchen ihrer Altersgruppe zusammen. Sie sollen das Vieh vor Menschen und wilden Tieren schützen und nach Möglichkeit durch Raub und Überfall vergrößern. Dieses Verhalten liegt im Glauben der Massai, denn bei ihnen heißt es, daß Gott, als er die Welt schuf, die Rinder in die Obhut der Massai gegeben habe. Wenn nun andere Stämme Rinder haben so kann dies nicht richtig sein. Da jedoch die Nachbarn Ähnliches glauben, reißt die Kette der Viehdiebstähle bis heute nicht ab. Viehdiebstahl ist hauptsächlich auch ein Mittel um den horrenden Brautpreis zusammenzubringen.
Mit etwa 30 Jahren ist die Kriegerzeit zu Ende. Der Massai schneidet sich seinen kunstvollen Kopfputz ab, heiratet und wird ein Ältester, dessen Rat von jedermann geachtet werden soll.


Daß diese heile Welt ins Wanken geraten ist, sieht man vor allem in Nairobi. Junge Krieger, oft in vollem Schmuck, verdingen sich für einen Hungerlohn als Nachtwächter. Tagsüber streunen sie verloren durch elende Stadtviertel und fallen manchmal spontan in einen ihrer monotonen Tänze, oder sie führen ihre traditionellen und bedeutungsvollen Tänze den Touristen als Unterhaltung vor.
Zu den Nomaden gehören auch Samburu, Rendille, Pokot, Gabbra und Boran.