Ein Blick ins Leben der Kenianer
Europäer sehen immer nur die Mängel: Vieles funktioniert nicht so wie in Europa (und
wird es auch nie), die Landbevölkerung hält mit der Entwicklung nicht Schritt. Ganz im
Gegenteil, der Unterschied zwischen arm und reich wird immer drastischer. Die alte Ordnung
wurde zerstört und die neue nur teilweise übernommen.
Es war üblich daß kenianische Kinder in der Gemeinschaft aufwuchsen, nicht von ihren
Eltern sondern in ihrer Altersgruppe erzogen wurden, in manchen Stämmen wurden sie sogar
innerhalb der Großfamilien ausgetauscht. Ihnen wurde gelehrt daß sie alleine nichts sind
und kaum eine Überlebenschance haben.
Daß die Europäer diese soziale Ordnung zerstörte, hatte schwere Folgen. Auch die
Afrikaner sind egoistisch geworden und auf schnelles Geld aus. Sie scheren sich nicht mehr
um die, die keine Chance haben. Harambee heißt das Motto des Landes: Zusammen
schaffen wir es. Aber wo gibt es noch dieses Zusammen? Kostenlose Gesundheitsfürsorge,
aber zu wenig ärzte und fast keine Medikamente.
Kostenlose Grundschulen, aber zu wenige Schulen und Bücher.
Altersversorgung kennt praktisch nur der öffentliche Dienst.
Ein gesetzlicher Mindestlohn gibt es zwar, doch wer ihn nicht bezahlt, wird nicht
bestraft.
Arbeitslose bekommen keine Unterstützung und fallen der Familie zur Last, die jedoch
nicht mehr die soziale und wirtschaftliche Sicherheit von früher bieten können.

Die Brautgabe
Viele Kenianer verteidigen ihre alten Gewohnheiten, jedoch haben sie meist den Inhalt
verloren und bieten allenfalls eine Karikatur ihrer ursprünglichen Bedeutung.
Europäer behaupten oft, die Brautgabe sei der Kaufpreis für die Frau, was jedoch nicht
stimmt. Vielmehr war sie ein soziales Netz für die jungen Eheleute. Die Höhe wurde vom
ältesten festgesetzt und richtete sich nach dem Status der Brautfamilie. Die Brautgabe
entschädigte die Eltern teilweise für den Verlust einer Arbeitskraft und gab der Frau
eine gewisse Unabhängigkeit. Falls ihre Ehe scheiterte, konnte sie zu ihren Eltern
zurückgehen und von der Brautgabe (in der Regel Vieh) leben. Auf dem Land funktioniert
dieses System noch. Doch in der Stadt werden ebenfalls Brautgaben verlangt, jedoch in der
Regel handelt es sich dabei um Geldsummen. Viele Familien verkaufen ihre
Töchter, da sie ein Geschäft wittern. Nicht selten kommt es vor daß sie sie sogar von
der Schule nehmen und einem greisen Mann bieten. Mehrmals wurden solche Ehen gerichtlich
annulliert und die Kinder wieder zur Schule geschickt.

Polygamie
Viele Kenianer sind polygam. Das ist kein Wunder da Moslems, wie der Koran erlaubt, bis zu
vier Frauen haben dürfen. Die Naturreligion kennt keine Grenzen nach oben. Selbst
Christen - wenn sie nicht gerade überzeugte Katholiken sind - nehmen es in Kenia nicht so
genau. Ausschlaggebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse und der Bildungsgrad der
Frau. Städtische Kenianer können sich finanziell und psychisch gar keine mehreren Frauen
leisten.
Dagegen sieht es für die auf dem Land lebenden Kenianer anders aus. Dort gelten noch die
alten Gewohnheiten in denen es heißt je mehr Frauen um so mehr Arbeitskräfte und somit
mehr Betrieb. Die Frauen sehen das nicht viel anders, den Heirat hat fast nichts mit
Romantik oder Liebe zu tun sondern vielmehr mit Ansehen und Sicherheit.
Die phantasievolle Vorstellung der Europäer hingegen ist völlig falsch. Afrikaner sind
weitaus prüder, als Europäer glauben wollen. Ehebruch ist keine Lappalie, und wenn es
heute so viele voreheliche Kinder gibt, dann liegt es daran, daß die gründliche
Sexualerziehung in der Altersgruppe nicht mehr existiert und der Schutz der Gesellschaft
fehlt. Oft ist es der verzweifelte Versuch aus der Not herauszukommen, die junge Mädchen
zur Prostitution treibt.

Arm und reich
Die Kluft zwischen arm und reich ist immens groß. Eine Mittelschicht gibt es gar nicht.
Während eine sehr kleine superreiche Oberschicht zum Einkaufen nach England fliegt und
ihre Kinder auf exklusive Universitäten nach England und in die USA schickt, kämpft die
Mehrheit der Kenianer um die täglichen Grundbedürfnisse. Ein wirtschaftlicher Aufstieg
ist schwer, sogar unmöglich, wenn die unberechenbare Natur das Erreichte wieder
zerstört, wenn es keinen Markt gibt für die eigenen Produkte und keine
Transportmöglichkeiten, wenn es an Bildung mangelt oder an der Gelegenheit, sie zu
nutzen.